Kloster Fahr

Impuls zum zweiten Fastensonntag

Eine Abwandlung Sr. Hedwigs auf Psalm 42 scheint wie gemacht für unsere derzeitige Situation:

Wie der Hirsch nach frischer Quelle,
sehnt sich unser Herz nach dir.

Unsere Sehnsucht nach Gott wieder aufleben zu lassen, ist ein wichtiges Ziel der Fastenzeit. Diese Sehnsucht zielt auf etwas, was wir gerade sehr vermissen:

Nach dem Frieden, nach der Helle
Deines Lichts verlangen wir.

Unsere Sehnsucht will allein,
Gott, in dir erfüllet sein.
Lass die Schatten endlich schwinden.

Wer könnte nicht in dieses „endlich“ einstimmen, mit dem wir ein Ende der Pandemie, der Isolation und allgemein der existentiellen Bedrohung herbeisehnen? Selten war sich die Menschheit wohl in einem Wunsch so einig wie in diesem gerade jetzt, auch wenn das Leben sich je nach nationalem, politischem und wirtschaftlichem Kontext ganz anders gestaltet. Dazu passt, dass Sr. Hedwig das „Ich“ des Psalms in ein kollektives „wir“ umgewandelt hat.

 Komm, o Herr, dass wir dich finden.

Sag, wie lange sollen tragen
wir die Nacht, in der wir stehen?
Höre unsre bangen Fragen:
Warum lässest du geschehn,
dass die Macht des Dunkels siegt
und die Welt im Argen liegt?
Trauer hat uns übernommen.
Doch wir wissen, du wirst kommen.

Und zwar nicht erst in einer fernen Zukunft, in einem anderen Leben, sondern jetzt schon:

Lass uns gläubig dir vertrauen.
Wer in deiner Liebe harrt,
darf schon jetzt das Leuchten schauen
deiner dunklen Gegenwart.
Immer bleibst du, fort und fort,
unter uns in deinem Wort.
Willst dich uns zur Speise geben:
Auferstehung, Heil und Leben.

Damit schafft sie eine Verbindung des Psalm-Themas zum neuen Testament. Denn es ist ja Christus, der durch seinen Tod und seine Auferstehung zum Brot für die Welt wurde. Jeden Sonntag sollen wir das in der Eucharistie erfahren und gestärkt werden. Daher ist für viele das Mitfeiern der Gottesdienste, auch in der derzeitigen reglementierten Form, sehr wichtig. Gleichzeitig gibt es aber auch die Erkenntnis, dass Kirche-Sein nicht allein darauf beschränkt sein kann. Vielleicht bietet diese Fastenzeit auch die Möglichkeit darüber nachzudenken: was ist für mich zentral im christlichen Glauben? Was bedeutet Kirche-Sein für mich?

 

Aus: Silja Walter Gesamtausgabe Band 10, Spritualität II, S. 636
Verfasserin des vorliegenden Textes: Kandidatin Judith Samson

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