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Neuigkeiten aus dem Kloster

Weihnachten - Ein Fest der Improvisation

Impuls in der Weihnachtsmette 2025 von Priorin Irene Gassmann

Weihnachten ist ein Fest der Improvisation. Ja, Sie haben richtig gehört: Weihnachten, ein Fest der Improvisation! Auch in unseren Weihnachtsgottesdiensten hier im Haus war viel Improvisation gefragt. Es ist nicht so, dass wir heute Abend alles dem Zufall überlassen haben – im Gegenteil, alles wurde sorgfältig vorbereitet.

Weil hier vorne neu der Ambo steht und dort drüben die Kerzenschmelze, mussten die Sakristaninnen beim Aufstellen der Krippe improvisieren. Es gibt es hier keinen Platz für den Weihnachtsbaum und wenig Raum für Maria, Josef und das Jesus-Kind, die Hirten und Schafe, Könige und Kamele….

Liebe Mitfeiernde

Wenn die Platzverhältnisse nicht so sind, wie gewohnt– dann muss improvisiert werden. Schwester Matthäa ist kreativ und liess sich verschiedenes einfallen, um mit dieser neuen Situation umzugehen. Sie entdeckte die Weidengeflechte, die im Sommer im Garten gebraucht wurden. Diese stellte sie an die Wand, um hier ein Hirtenfeld mit einem Zaun nachzubilden.

‘Keinen Platz’ und ‘eine ungewohnte Situation’ – das passt gut zu Weihnachten. Auch in der Weihnachtserzählung aus dem Lukas-Evangelium hörten wir, dass Maria und Josef keinen Platz in der Herberge fanden. So musste das Paar improvisieren. Maria und Josef fanden Unterschlupf in einem Stall. Jesus ist in einem Provisorium zur Welt gekommen.

Das lateinische Wort pro visum bedeutet: vor-sehen, Vorsorge treffen oder ‘etwas behelfsmässig angehen’.

Improvisieren kennen wir als Kunst vor allem in der Musik. Es gibt Musikerinnen und Musiker, die Improvisation besonders gut beherrschen. Ich bin keine Musikerin und habe somit auch keine Erfahrung mit musikalischer Improvisation. Ich stelle mir jedoch vor, dass Menschen, die Musik improvisieren, eine Melodie, einen Refrain und eine Harmonie im Kopf haben und bereits hören, wie es klingen wird, bevor die Töne angeschlagen oder angestossen werden. So lässt sich sagen, dass Improvisieren – ein vor-hören ist; so wie pro visum – ein vor-sehen ist.

Menschen, die in verschiedenen Situationen improvisieren, sehen eine mögliche Lösung und können diese umsetzen. Nehmen wir das Beispiel desWeihnachtsbaumes. Ich fragte mich, ob dieser gesichert sei, damit er nicht plötzlich umkippt. Beim genauen Hinschauen entdeckte ich einen Draht. Dieser ist oben an einem Haken festgemacht, dort war früher die Kanzel befestigt; und auf der anderen Seite gibt es ebenfalls einen Haken. Jemand hatte also diese beiden Haken entdeckt und die Lösung für die Befestigung des Weihnachtsbaumes gesehen. Improvisation! Vor-sehen!

Bestimmt kennen auch Sie, liebe Mitfeiernde, Situationen, in denen Sie improvisieren mussten. Z.B. etwas behelfsmässig flicken, etwa einen Riss im Gartenschlauch mit einem Band abdichten oder ein Essen auf den Teller zaubern, wenn unerwartet Gäste kommen.

Weihnachten ist ein Fest der Improvisation. Jesus ist in einem Provisorium geboren. Nachdem es in der Herberge für das Paar keinen Platz gab, liessen sich Josef und Maria nicht entmutigen. Sie hätten ja schimpfen und einen Aufstand mobilisieren können. Maria und Josef wählten einen anderen Weg: Sie improvisierten. Sie entdeckten den Stall. Hier war es warm, es gab einen Futtertrog mit Heu und vielleicht sogar ein wärmendes Feuer. In diesem Provisorium ist Gott Mensch geworden. Das ist die Botschaft von Weihnachten.

Liebe Mitfeiernde, Weihnachten ermutigt uns, mit offenen Augen und Ohren durchs Leben zu gehen. Nicht aufzugeben, wenn das Leben uns herausfordert, wenn unsere Pläne durchkreuzt werden. Da sollen wir kreativ werden, vor-sehen, improvisieren. So kann unerwartet Grosses geschehen, Neues möglich werden.

Gott selbst hat es uns an Weihnachten vorgemacht: Weil in der Herberge kein Platz war, kam er in einem Provisorium zur Welt. Weihnachten ist ein Fest der Improvisation.

Priorin Irene Gassmann

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