Neuigkeiten aus dem Kloster
«über-setzen»
«ü30 fahrwärts» vom 29. bis 31. August 2025
Interpretieren, loslassen, die Seite wechseln, einen neuen Standpunkt einnehmen, sich mutig Veränderungen stellen, sich auf Neues einlassen und vertrauen, dass der Weg am anderen Ufer weiter geht – das waren die Stichworte aus den Impulsen von Sr. Katharina Ganz OSF, die die Gruppe am Wochenende begleiteten.
Loslassen. Vertrauen. Weitergehen.
Schon im Abendgebet in der St. Anna-Kapelle begegnete den Teilnehmenden der erste Aufbruch: Abraham macht sich auf den Weg ins Land Kanaan (Gen 12, 1 – 9). In der Bibel und auch in den christlichen Traditionen ist das Übersetzen im wörtlichen und übertragenen Sinn allgegenwärtig. Neben Abraham mit all den Seinen sind beispielsweise auch Jakob, Josef, Mirjam, Maria, die Jüngerinnen und Jünger und schliesslich das ganze Gottesvolk immer wieder auf dem Weg und setzen über zu neuen Ufern. Christinnen und Christen beten in Prozessionen, auf Pilgerwegen oder bei Umbrüchen im Leben wie Taufe, Firmung, Hochzeit, Tod für geistlichen Beistand und eine gute Zukunft.
Im ersten Impuls ging es darum, sich seinen Ängsten zu stellen wie Jakob, der im Buch Genesis 32,23ff mit Gott ringt und dann merkt, dass er Gottes Segen nötig hat. Wenn die Dämonen, eigentlich die Ängste, benannt werden, verlieren sie die Macht. Wie gehen wir damit um, wenn wir uns in eine ungewisse Zukunft aufmachen (müssen)? Auch die Prophetin Mirjam war auf dem unsicheren Weg ins gelobte Land (Exodus 15,1 ff.). Sie dankte nach der Rettung am anderen Ufer des Schilfmeers mit Musik und Tanz zusammen mit den Frauen für die Möglichkeit eines Neuanfangs nach der Gefangenschaft in Ägypten.
Auf dem Karthäuserwalk tauschten sich die Teilnehmerinnen anschliessend über verschiedene Fragen aus: Was will oder muss ich loslassen? Was hilft mir dabei? Welche Befreiung habe ich schon erfahren? Kann ich für Neues und Vergangenes dankbar sein? Diese Art der kurzen Begegnung auf dem Spaziergang vermittelte unterschiedliche Blickwinkel zu diesen Themen und öffnete so den Horizont auf neue Ufer.
Am Nachmittag wurde der berühmteste christliche «Übersetzer» Christophorus ein Thema. Er beschützt die Reisenden und hat das Jesuskind ans andere Ufer getragen. Zusammen mit den anderen Nothelfern unterstützt er viele Menschen beim Übersetzen zu neuen Ufern, in neue Situationen. So stellte sich dann die Frage, was denn die Einzelnen trage und was sie selbst tragen. Als Antworten kamen Familie, Freundschaften, Gebet, Gott, (finanzielle) Sicherheit, Lebenssinn, Heimat oder Begegnungen in verschiedenen Kontexten wie Arbeit, Freizeit, Kirche.
«Über – setzen» konnten wir dann auch selbst mit der Fähre des Klosters Fahr erfahren: Wir vertrauten uns dem Fährmann an, der alle sicher ans andere Ufer der Limmat und wieder zurück brachte. Nicht allen fiel diese Fahrt leicht, aber alle haben die Reise gewagt.
So wurden die Teilnehmenden motiviert, auf Lebenswenden, Umbrüche oder Neuanfänge zu schauen, zu reflektieren, was sie getragen hat, und die eigenen Erfahrungen zu teilen. So konnten sie erleben, dass sie gemeinsam als Suchende, Fragende, Ausschau Haltende unterwegs sind und sich gegenseitig bestärken.
Die einzelnen Blöcke wurden durch Gesangsproben aufgelockert. Es wurden bekannte und neue Gesänge für die Gebetszeiten und den Gottesdienst vom Sonntag vorbereitet - passend zum Thema «über – setzen». Die Motivation der Dirigentin sprang auf alle über! P. Cyrill, der dem Gottesdienst am Sonntag vorstand, reiste schon am Samstagabend an und konnte so die Themen und die Teilnehmenden kennenlernen. An den beiden Abenden war Zeit, Gedanken und Erlebnisse ungezwungen beim gemütlichen Zusammensein auszutauschen, Bekanntschaften zu erneuern und neue zu schliessen.
Im Gottesdienst am Sonntag ermöglichte Sr. Katharina in der Predigt zum Evangelium (Lukas 14,7 – 14) Gedanken über das persönliche Verhältnis zu Macht und Ansehen: Bin ich bereit Verantwortung zu tragen? Benütze ich meine «Macht», meine Möglichkeiten, zum Dienst an meinen Nächsten? Übersetze ich die Situation der Mitwelt mit der «Goldenen Regel», das heisst: Behandle ich andere so, wie ich von ihnen behandelt werden will?
Am Ende der Tagung fühlten sich die Teilnehmenden von den Erfahrungen, Gesprächen und Liturgien an diesem Wochenende getragen und bereichert. Sie zeigten sich beeindruckt von der visionären Art, wie die Gemeinschaft der Schwestern im Kloster Fahr den Weg zu neuen Ufern sucht und von der herzlichen Gastfreundschaft – besten Dank dafür an dieser Stelle! Grosser Dank geht auch an die Referentin Sr. Katharina Ganz für die sehr persönliche Textwahl, die Gedanken sowie die Bilder, mit denen sie die anregenden Impulse illustrierte.
Regina Käppeli, Co-Leiterin ü30-fahrwärts

Führungen im Kloster Fahr
Übrigens: Eine individuelle Führung lädt ein zur Reise durch die lange und bewegte Geschichte des Klosters am Rande der Stadt Zürich, vermittelt Informationen zum Alltag der Benediktinerinnen vom Fahr und bietet unerwartete Einblicke hinter die Klostermauern.
