Kloster Fahr

Impuls in der Schöpfungszeit

1. September «Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung».

Die Wahl des Datums für diesen Gedenktag zeigt, dass Papst Franziskus gern ökumenisch und auch interreligiös denkt, besonders, wenn es um die Sorge für das „gemeinsame Haus“ geht. So ist der 1. September seit 1989 ein Gedenktag zur Bewahrung der Schöpfung in der orthodoxen Kirche. Franziskus hat dieses Datum 2015 auch für die katholische Kirche übernommen.

Die Bewahrung der Schöpfung beginnt in den Augen des Papstes mit einer Neuausrichtung der Menschen:

Wenn „die äußeren Wüsten in der Welt wachsen, weil die inneren Wüsten so groß geworden sind“, ist die Umweltkrise ein Aufruf zu einer tiefgreifenden inneren Umkehr.

So fordert Franziskus, Benedikt XVI zitierend, eine umfassende ökologische Umkehr. An die Christ:innen gerichtet, macht er deutlich, dass der Einsatz für das „gemeinsame Haus“ zentral zu einem christlichen Leben dazu gehört:

Die Berufung, Beschützer des Werkes Gottes zu sein, praktisch umzusetzen, gehört zu einem tugendhaften Leben; sie ist weder etwas Fakultatives noch ein sekundärer Aspekt der christlichen Erfahrung. (LS 217)

Er gibt einige ganz praktische Beispiele wie das im Alltag aussehen kann:

Es ist sehr nobel, es sich zur Pflicht zu machen, mit kleinen alltäglichen Handlungen für die Schöpfung zu sorgen.

Öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, die Einschränkung des Wasserverbrauchs, die Vermeidung des Gebrauchs von Plastik und Papier, unnötige Lampen auszuschalten…All das gehört zu einer großherzigen und würdigen Kreativität, die das Beste des Menschen an den Tag legt. (LS 211)

Kleine Alltagsgesten können so durch eine achtsame innere Haltung eine tiefe Bedeutung bekommen:

Etwas aus tiefen Beweggründen wiederzuverwerten, anstatt es schnell wegzuwerfen, kann eine Handlung der Liebe sein. (LS 211)

Silja Walter, die Fragen manchmal überraschend anders beantwortete als erwartet, beschreibt in ähnlicher Weise, dass jeder Mensch zur Gestaltung der Erde auf seine/ihre eigene Art und Weise aufgerufen ist. Gefragt worden war sie eigentlich nach ihrer Vorstellung des Paradiesgartens:

Da hinein hat er den Menschen geschaffen mit dem Auftrag:
Gestalte, arbeite, entfalte!

Jede, jeder von uns trägt seine Summe von Kräften, Keimen,
Möglichkeiten, zur Gestaltung des Paradieses im Jetzt und Hier
in sich. Jeder kommt mit dem Schöpfungsauftrag Gottes zur Welt:
Entfalte, gestalte!
(Silja Walter, GA 7, S. 205-206).

Wie auch das Himmelreich schon jetzt angebrochen ist und keine Vertröstung auf die Zukunft hin ist, so sieht sie das Paradies also in unserem Leben hier und jetzt. Sicherlich eine ungewöhnliche Vorstellung, denn viele von uns würden ihr Lebensumfeld wahrscheinlich nicht direkt als paradiesisch beschreiben. Aber sie blickt immer über das Alltägliche, Irdische hinaus, hinter die Dinge, in den Kosmos hinein. So lässt sich die große Bedeutung unseres manchmal monotonen oder herausfordernden, aber auch freudigen Alltags erklären:

Sinn unseres Daseins: in sich, um sich, in seinem weiteren oder engeren Umfeld die „Welt“ im Jetzt und Hier auf seine ganz persönliche Weise zum Kosmos hin zu vollenden nach Gottes Traum und Bild, von seinem Geist angeregt, erleuchtet und geführt. (GA 7, S.205)

Franziskus, der pragmatische Naturwissenschaftler, sieht neben der persönlichen inneren Umkehr der einzelnen, auch die Notwendigkeit einer „gemeinschaftlichen Umkehr“:

Allerdings ist es zur Lösung einer so komplexen Situation wie der, mit der sich die Welt von heute auseinandersetzen muss, nicht genug, dass jeder Einzelne sich bessert… Auf soziale Probleme muss mit Netzen der Gemeinschaft reagiert werden. (LS 219)

Und deshalb richtet er sich in seiner Enzyklika an „jeden Menschen, der auf diesem Planeten wohnt“ (LS 3). Wir alle sind existentiell davon abhängig, dass unser Heimatplanet geschützt wird, damit er auch weiterhin unsere Lebensgrundlage bilden kann. So ruft er alle auf, aus ihrer jeweiligen Lebenssituation, beruflich und privat, und ihren Talenten entsprechend, sich zu engagieren.

Verfasserin des vorliegenden Textes: Novizin Judith Samson

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