Kloster Fahr

Impuls zum Karfreitag

 

 

Auch wenn die Viruserkrankung durchschnittlich für Männer tödlicher verläuft als für Frauen, sind doch sie es, die hauptsächlich die negativen Auswirkungen der Pandemie zu tragen haben. Daher blicken wir heute mit Silja Walter aus der Perspektive Marias, die stellvertretend für alle Frauen steht, auf das diesjährige Karfreitagsgeschehen.

Mein Sohn,
ich, deine Mutter, bin die Schmerzensmutter der Erde.
              Verzeih mir.
              Ich schrei`dir
              Die Angst und das Grauen
              Aller Frauen
              In dein durchstochenes Herz.
Erbarme dich unser.

Die „Angst und das Grauen aller Frauen“ drückt sich in dieser Zeit besonders in der deutlichen Zunahme der häuslichen Gewalt aus. Immer auch betrifft es die Mütter, die meistens die Hauptlast der zugenommen Fürsorgearbeit, inklusive des Homeschooling, übernommen haben. Am schwersten haben es dabei die Alleinerziehenden, die ihre Sorgen und vielen Aufgaben nicht teilen können.
Auch Silja Walter spannt den Bogen von den biblischen Müttern zu den Frauen, die in den 1970er Jahren in Argentinien gegen das „Verschwindenlassen“ ihrer Kinder in der Militärdiktatur protestierten.

Mein Sohn,
man nimmt ihnen die Kinder weg, wie mir das meine.
Ich trage die Klage
Evas und Rahels bis zu Rizpa
Zu Betlehems Müttern und mir
Durch alle Jahrtausende weiter,
bis zu den Müttern der Plaza de Mayo.

Rahel, als (Lieblings)frau Jakobs eine der Stammmütter Israels, gilt als Mensch mit einem offenen Herzen für das Leiden ihrer Mitmenschen. Genauso setzte sich Rizpa, eine Nebenfrau Sauls, für ihre unschuldig umgebrachten Kinder ein. In den 1970er Jahren waren es die argentinischen Mütter. Heute sind Menschen in Myanmar in Sorge um ihre oft jungen Angehörigen, die sich in der Bewegung des zivilen Ungehorsams engagiert haben und vom Militär entführt bzw. verhaftet wurden. Da rufen wir zusammen mit Maria:

Steh auf vom Tod,
verbleib nicht länger darin
als drei Tage.
Erbarme dich unser.

Mein Sohn,
so wahr ich Eva, aller Menschen neue Gebärerin bin,
lass dich bitten:
Lass inmitten
aller Schrecken auf Erden doch dein Leben wieder
und die Lieder
an den Wiegen siegen.

Erbarme dich unser.
Amen.

 

Quelle: Silja Walter, „Lauter Licht. Ein Fasten- und Osterbegleiter“, S. 68f
Vorliegender Text: Novizin Judith Samson

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