Kloster Fahr

Impuls zum fünften Fastensonntag

 

 

Nach dem hoffnungsvoll-frühlingshaften Aufbruch des Menschen in seiner Beziehung zu Gott vorletzte Woche, erinnert uns der heutige Text am Passionssonntag daran, dass wir auch immer wieder zurückfallen. Der idyllische Klostergarten wird dann für Sr. Hedwig zum Garten Eden, dem Ort der symbolisch für unsere menschlichen Schuldverstrickungen steht. Dort, wo sich der erste Mensch aus Scham vor Gott versteckt, als er von der „verbotenen Frucht“ gegessen hatte:

            Ich laufe in unserem Garten
            herum und suche mich.

Im biblischen Text ist es Gott, der nach Adam/Eva sucht, als diese(r) sich aus Scham vor ihm versteckt. Hier bringt Sr. Hedwig zum Ausdruck, dass wenn wir uns vor Gott verstecken, weil wir es nicht wagen ihm mit unseren Schwächen und Immer-wieder- Schuldig-Werden unter die Augen zu treten, wir uns auch vor uns selbst verstecken. Aber auch wenn wir uns und Gott scheinbar verloren haben, seine Präsenz bleibt:

            Gott!
            Jetzt, heute
            und hier
            brausen und brennen
            die Engel
            in unserem Garten vor dir.

Wir vergessen nicht nur oft Gottes Dasein mitten in unserem Leben, sondern auch das der Engel, die uns umgeben. Dabei kann es sehr tröstlich sein zu wissen, dass Gott sie uns in Gefahrensituationen zur Unterstützung sendet. Romano Guardini betonte dabei, dass die Engel weniger vor äusserlichen Gefahren schützen, sondern unser innerstes Selbst vor der Zerstörung durch die Sünde bewahren. Ob Silja Walter dieses Bild von Engeln vor Augen hatte? Oder die Engel, die in der ständigen Anschauung Gottes Lobgesang und Danklieder singen? Beides zusammen oder etwas ganz anderes?

Sie bekennt jedenfalls selbst freimütig ihr Schwach-Werden, das die meisten von uns wohl gut nachempfinden können:

            Ich sitze
            versteckt im Haselgebüsch
            und
            wisch mir den Mund
            von der Sucht
            nach der sündigen Frucht.

 

Quelle: „Lauter Licht. Ein Fasten- und Osterbegleiter“ von Silja Walter
Verfasserin des vorliegenden Textes: Kandidatin Judith Samson

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