Kloster Fahr

Impuls zum dritten Fastensonntag

Schon ein paar Mal haben wir dieses Jahr deutlich erste Ankündigungen des bevorstehenden Frühlings gespürt. Sr. Hedwig verband diesen Aufbruch der Natur mit dem der Menschen mit Gott und findet dafür ungewöhnliche Bilder:

In den Kirschblüten,
dem spriessenden Kraut,
über die keimende Erde dahin
den Frühling ausbrechen sehen –
tiefer hinein:
den Anbruch der Liebesgeschichte Gottes
mit seinem Volk,
seinem Erstling,
seinem Frühlingsvolk sehen –
wie er es holt,
heraus aus der Eisstarre
des ägyptischen Winters

Eisstarre haben wir in unseren Breitengraden dieses Jahr seit langer Zeit mal wieder erlebt und vor allem die Schneepracht genossen. Aber sie zu verbinden mit einem Land, das bekannt ist für seine milden Winter ist eher ungewöhnlich.

in seine Hochzeit am Sinaiberg –
tiefer hinein und hindurch
durch Israels
Frühlingsgeschichte einsehen:

Und dann von der großen Heilsgeschichte hin ganz persönlich zu jedem/jeder einzelnen, der Aufruf das möglicherweise erstarrte Herz im wärmenden Licht Gottes schmelzen zu lassen:

Gott liebt auch mich,
ruft auch mich,
führt auch mich
aus meinem Winter zur Hochzeit.
„Steh auf, Mensch, mein Schöner,
so komm doch!
Denn vorbei ist der Winter,
verrauscht der Regen.
Auf der Flur erscheinen die Blumen, …
Am Feigenbaum reifen die ersten Früchte,
die blühenden Reben duften.
Steh auf meine Freundin, mein Freund,
so komm doch!“ (vgl. Hld 2,10-13)

Durch Kirschbäume und weisse Kerbelwiesen,
rieselnde Bäche und junge Enten hindurch,
vom ersten grünen Salat weg,
hindurch –
von ganz aussen nach ganz innen gehen,
um im eigenen Herzen den Frühling zu sehen –

Auch wenn viele nicht in einer so idyllisch-ländlichen Umgebung mit eigenem Garten und „rieselnden Bächen“ leben wie Sr. Hedwig an ihrem Inspirationsort im Kloster, so haben viele doch in dieser Pandemie die Natur als einen sicheren Zufluchtsort (wieder)entdeckt, der Leib und Seele guttut. Vielleicht bietet diese Begegnung mit der Natur auch wieder einen neuen Zugang zu ihrem und unserem Schöpfer.

Worauf warten wir denn sonst?
Sind wir doch für den Frühling mit Gott
von ihm erdacht,
gemacht, und aus dem Ur-Winter der Welt
in seine Hochzeit
mit der Schöpfung geholt.
Sehen wir nicht jedes Jahr
schon keimen und spriessen?

Aus: Silja Walter: Lauter Licht – ein Fasten- und Osterbegleiter
Verfasserin des vorliegenden Textes: Kandidatin Judith Samson

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Text: Susann Bosshard-Kälin

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