Kloster Fahr

Impuls zum dritten Advent

„Gaudete“

Der einzige Adventssonntag, der seinen Titel, nämlich „Gaudete“ (Freut euch!) behalten hat, ist dieser dritte Advent. Der Aufruf, dass wir uns freuen sollen, wird also dadurch besonders unterstrichen. Und so wollen wir das heute, zusammen mit Maria, tun. Sie begrüßte der Engel ja mit den Worten „Freu dich Maria!“

Vielen fällt die Freude in diesem Jahr angesichts der vielen Sorgen und Ängste, die es geprägt haben und die immer noch nicht ausgestanden sind, wahrscheinlich schwerer als in anderen Zeiten. Aber Sr. Hedwig lenkt unseren Blick auf eine zentrale Botschaft Gottes an uns:

            „Fürchtet euch nicht!“
            Jemand hat nachgezählt:
            366mal sagst du und das
            In der Bibel,
            Herr,
            für jeden Tag im Jahr einmal
            und für den Schalttag noch einmal
            extra dazu.

            Jeden Tag, beim Erwachen,
            kann ich dich also
            noch mit geschlossenen Augen
            fragen:
            „Was sagst du mir heute?“
            Ich weiss schon zum vornherein was:
            „Fürchte dich nicht“,
            sagst du und das gilt
            für den Tag und die Nacht,
            bis anderntags früh.

Dieser Zuspruch, sich nicht zu fürchten, gilt also immer, für jeden Tag. Was macht diesen Text dann zu einem adventlichen? Sr. Hedwig erklärt:

            Das hat mit Weihnachten zu tun,
            mit dem, was damals geschah, in jenem Stall
            in der Nacht,
            das steht fest.

            Wer sich das klar überlegt,
            der wird den Tagesbefehl Gottes
            noch hinter den schlaftrunkenen Augen
            in seinem Innern vernehmen
            und gleich erwachen daran.
            Er wird aufstehen
            Und einfach gehorchen.
            Er wird sich nicht fürchten,
            tagsüber,
            auf gar keinen Fall.
            Denn Gott will es nicht haben,
            er leidet es nicht.

Angstfrei durchs Leben zu gehen, ist also nicht nur Gottes Zuspruch oder Wunsch für uns, Sr. Hedwig sieht es als ein Gebot, das unbedingt zu befolgen ist. Warum fällt uns das so schwer?

            Aber sie steckt uns im Blut,
            Herr, die Angst,
            das weisst du selbst,
            du hast sie ja durchgemacht wie nie ein
            Mensch unter uns.

Hier spricht Sr. Hedwig an, was das Christentum – auch wenn sich die grundsätzliche Ethik und die Mystik der verschiedenen Weltreligionen oft wenig unterscheiden- besonders prägt: das göttliche Wort, das als hilfloses Kind zur Welt kam, hat sich auch der existentiellen Erfahrung der menschlichen Angst ausgeliefert. Hier klingt mitten im Advent also schon die Ölberg-Szene an, in der Jesus mit der Todesangst zu kämpfen hatte. Gerade in diesem durch Leid, Krankheit und Tod geprägten Jahr ist Gott in Jesus uns damit ganz nahe.

Gleichzeitig hat Jesus nie gesündigt und kennt daher nicht die Angst, die daraus entsteht, wenn wir erkennen, wie und gegen wen wir gesündigt haben. Diese Geschichte beginnt mit  Adam und Evas Vertreibung aus dem Paradies und geht über den Mord an Abel durch seinen Bruder Kain weiter bis heute:

            Wir haben Angst, seit der erste von uns
            Sich verkroch im Gebüsch
            Vor dir. –
            Seit er zu seiner Frau heimkam und sagte:
            „Der Ältere hat den Jungen erschlagen
            Heute morgen,
            draussen im Feld.“

Die Menschheit war sogar schon einmal so sehr in Sünde verstrickt, dass Gott es bereute, sie geschaffen zu haben und er sie komplett auslöschen wollte. Aber dann liess er doch Noah und seine Familie (und alle Tiere!) am Leben:

            Seit die Flut die Menschheit ertränkte,
            ausser den acht Leuten auf dem grossen
            Schiff. –
            Seit es das Böse gibt auf der Welt und
            in uns. –

Wie sollte man da nicht Angst haben angesichts der Allmacht Gottes, der uns das Leben, das er uns geschenkt hat, auch jederzeit wieder nehmen kann? Und angesichts der Abgründe unserer eigenen Seele, mit denen wir immer wieder konfrontiert werden, wenn wir es zulassen. Sr. Hedwig beschreibt wie sie selbst einen Neuanfang macht heraus aus der Angst- und Schuldverstrickung und nimmt uns dabei mit:

            Aber jetzt bin ich entschlossen
            von Weihnachten an
            mich nicht mehr zu fürchten.

            „Fürchte dich nicht.“

            Um das zu sagen,
            liess Gott Weihnachten geschehen.
            Denn Weihnachten heisst:
            „Fürchte dich nicht,
            Ich bin bei dir.“

Das ist der Zuspruch, auf den wir bauen können. Gott verlässt uns nicht und hat nach der Sintflut auch versprochen, nie wieder die Menschheit auslöschen zu wollen. Jeder Regenbogen erinnert uns aufs Neue an dieses Versprechen. Er will nicht, dass wir verloren gehen und hat uns deswegen seinen eigenen Sohn geschickt. Deswegen: „Freuet euch!“

 

Aus: Silja Walter, „Ein Stern ist aufgebrochen. Ein Begleiter durch Advent und Weihnachten“; 

Verfasserin des vorliegenden Textes: Kandidatin Judith Samson

Kontakt
Kloster Fahr
Priorat
8109 Kloster Fahr
Tel. +41 43 455 10 40
info@kloster-fahr.ch
www.kloster-fahr.ch
 

Impressum
Website: Taylormade & SteckDesign
Fotos: Liliane Géraud
Text: Susann Bosshard-Kälin

© 2021 by Kloster Fahr, all rights reserved