Kloster Fahr

«Schöpfungszeit»

Am 1. September beginnt mit dem „Weltgebetstag für die Schöpfung“ die ökumenische Schöpfungszeit, die am 4. Oktober, dem Gedenktag des Heiligen Franziskus, endet. Papst Franziskus hat die Schöpfungszeit 2015 auf Anregung der Orthodoxie auch in die Katholische Kirche eingeführt. In demselben Jahr hatte er seine Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ herausgegeben. Darin ruft er „jeden Menschen auf dem Planeten“ angesichts der akuten Umweltkrise, die vor allem die Ärmsten trifft, auf, Sorge für „das gemeinsame Haus“, unsere Erde, zu tragen.

Mit Impulsen aus der Enzyklika oder von Silja Walter, in deren Texten die Schöpfung ebenfalls eine große Rolle spielt, möchten wir Sie jede Woche mit einem neuen Text einladen, die ökologische Spiritualität des Papstes kennenzulernen.

 

22. September: Welttag des Meeres

  • Wer hat die wunderbare Meereswelt in leb- und farblose Unterwasser-Friedhöfe verwandelt? (LS 41)

fragt Franziskus, einen Hirtenbrief der philippinischen Bischöfe zitierend. Und gibt auch eine Antwort darauf:

  • Dieses Phänomen ist großenteils auf die Verschmutzung zurückzuführen, die ins Meer gelangt als Ergebnis der Entwaldung, der landwirtschaftlichen Monokulturen, der Industrieabfälle und der destruktiven Methoden des Fischfangs…Es verschärft sich durch den Temperaturanstieg der Ozeane. (LS  41)

Er erläutert, dass die Korallenbänke der (Sub)tropen dieselbe Wichtigkeit wie die Urwälder auf der Erde haben: sie geben Millionen Arten ein Zuhause. Darum ist ihre stetige Abnahme sehr beunruhigend, denn ihr Verlust bedeutet auch einen Verlust der biologischen Vielfalt. Das bedeutet für viele Tiere und Menschen einen Verlust ihrer Nahrungsgrundlage.  

Zu den „Wäldern der Meere“ gehört auch das Plankton, das ebenfalls bedroht ist. Es bildet u.a. eine wichtige Nahrungsgrundlage für Wale. Silja Walter hat einen humorvollen Text zur Jona-Geschichte aus der Sicht des Wals geschrieben. Dieser ist gar nicht begeistert davon, den geflohenen Propheten nach Ninive bringen zu müssen:

  • Einer, der dir davonläuft –
    warum soll ich so einen wieder
    ausspucken?
    Wozu?
    Ich bin nur ein Wal.
    Aber habe ich dir jemals in meinem
    Leben
    auch nur eine Stunde
    den Rücken gekehrt?

Und offenbart eine kritische Sicht auf die Menschheit, für die Jona hier steht:

  • Was der sich aber erlaubt,
    was die Menschheit sich da gestattet:
    Fahrkarte lösen
    Und losfahren,
    genau in entgegengesetzter Richtung,
    wenn du sie rufst,
    nach Ninive zu gehen.

    Aber ich habe dir gehorcht.
    Tiere tun eben
    wie von selber das Richtige.
    Sie wissen,
    das Eine ist sicher:
    Einer ist,
    der ist Gott.

Etwas ähnliches könnte für unsere derzeitige Umweltkrise gelten: die Tiere sind nicht Verursacher der vielen Probleme, sondern wir Menschen. Eben weil wir den Schöpfer und die Kostbarkeit seiner Schöpfung aus dem Blick verloren haben. Jetzt ist es Zeit, Papst Franziskus Aufruf zu folgen, umzukehren und uns wieder Gott und seiner Schöpfung zuzuwenden.

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Text: Susann Bosshard-Kälin

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