Lectio divina

Die «lectio divina», die «geistliche Lesung», ist eine typisch benediktinische Gebetsweise. Wir lesen das Wort Gottes, um darin Gott zu suchen und ihn kennenzulernen. Die lectio ist zutiefst ein Beziehungsgeschehen. Dabei steht die Lesung nie für sich allein, immer ist sie untrennbar verbunden mit der meditatio und der oratio.

In der geistlichen Lesung wird ein kurzer Abschnitt der Hl.Schrift langsam, in einer offenen Haltung des Hörens gelesen. Die meditatio meint dann ein lautes oder innerliches Wiederholen des Gelesenen mit dem «Mund des Herzens», wie es die Mönche nennen. Es ist ein Verkosten, Schmecken, ein Sich-Einverleiben des Wortes, bis man darin die Stimme oder den Anruf Gottes vernimmt. Daraus fliesst dann wie von selbst die oratio. Sie ist die innere Antwort auf die meditatio. Das kann ein Gebet im Sinn eines Stoss-, Bitt-, Lob- oder Dankgebetes sein; die oratio kann aber auch ein tiefes, inneres Schweigen oder die staunende Anbetung sein.

Heute wird auch bei uns häufig in einem umfassenderen Sinn von «lectio divina» gesprochen. Gemeint sind dann neben der Hl. Schrift auch Werke der Kirchenväter, Bibelkommentare oder ganz allgemein Bücher spirituellen Inhalts.