Gebetsarten im Kloster Fahr:


Chorgebet:

Nichts ist für benediktinsches Leben so charakteristisch wie das gemeinsame Chorgebet. Verteilt über den ganzen Tag heiligt es unsere Zeit. Sechs Mal am Tag treffen sich die Schwestern im Fahr zu diesem zumeist gesungenen Gebet, dessen Schwerpunkt die Psalmen bilden. Liegt es an den Texten, die vom Leben in all seinen Facetten erzählen oder liegt es an den meditativen Melodien? Jedenfalls kommt durch den gleichmässigen Fluss des Gesanges vieles auch in uns selber in Bewegung. Von daher überrascht es nicht, dass Benedikt das Chorgebet als „opus dei“ (Werk Gottes) bezeichnet. Denn in der Tat ist das gesungene Gotteslob zwar einerseits unser Werk für Gott, vielmehr aber geschieht dabei etwas an und in uns durch Gott. Das Chorgebet verwandelt unser Leben.

Benedikt ordnet den Tag nach den römischen Horen. Hora ist die Stunde. Jede Stunde hat ihren eigenen Charakter und ihre eigene Beziehung zum Heilswerk Christi.

Die Vigilien: Heute beten wir die Vigilien nicht mehr mitten in der Nacht, sondern in den frühen Morgenstunden. Vigil heisst „Wache“. Wachend wollen wir im Gebet Gott begegnen. Und wachend beten wir für die Welt. Die Vigilien erinnern uns auch an den Hahn der uns weckt. Er ist ein Bild für Christus, der uns aus dem Schlaf der Gleichgültigkeit weckt.

Laudes: Die beginnende Morgenröte und die Schönheit der aufgehenden Sonne sind Zeichen für die Auferstehung Jesu. Wenn die Sonne aufgeht soll sich auch unser Herz öffnen und Gott loben.

Terz: Die Terz, die dritte Stunde ist die Zeit, da der Heilige Geist auf die Jünger herab kam. In der Terz bitten wir Gott um seinen Geist für unser Tagwerk weil wir spüren, dass es seine Kraft ist, die unsere Arbeit gelingen lässt.

Mittagshore: Es ist die Stunde, in der das Todesurteil über Jesus gesprochen wurde. Die Mittagsstunde ist aber auch die Zeit, in der die Aufmerksamkeit nach- lässt und die Hektik von uns Besitz nehmen will. Jetzt ist es wohltuend die Arbeit zu unterbrechen und bei Gott Abstand und Ruhe zu finden.

Vesper: Vesper kommt von „hesperos“ – Abendstern. Wenn die Sonne untergeht, gedenken wir des Todes Jesu. Er ist für uns das Licht, das leuchtet, auch wenn es jetzt dunkel wird um uns herum. Am Ende des Tages schauen wir auf Gott und legen den vergangen Tag so wie er war in seine Hände. Das hilft uns auch innerlich loszulassen.

Komplet: „Completus est“ – der Tag ist vollbracht. Das Nachtgebet beschliesst den Tag. In der Komplet bitten wir Gott um seinen Schutz in der kommenden Nacht. Die Texte machen Gelassenheit und wecken tiefes Vertrauen. Das ist wichtig, denn womit wir uns vor dem Schlafengehen beschäftigen, das prägt unsere Nacht, unseren Schlaf und das Aufwachen am Morgen...