Vorbild für gesamtheitliche Werte
(Kloster Fahr/pd) 28 Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren aus neun verschiedenen Deutschschweizer Kantonen, durften am 22. Juli 2010 an der Bäuerinnenschule Kloster Fahr nach anspruchsvoller, zwanzigwöchiger Ausbildung ihre Zertifikate in Empfang nehmen. Gastkanton an der Abschlussfeier war Zug vertreten durch den Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel sowie eine Delegation der Zuger Bäuerinnen. Die Nachfrage nach dieser bäuerlich-hauswirtschaftlichen Ausbildung ist ungebrochen: Die beiden kommenden Halbjahreskurse an der Privatschule sind bereits ausgebucht.
«Leben ist das was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.»
John Lennon’s Zitat stand als Leitspruch über dem Frühjahrskurs 2010 der bäuerlich-hauswirtschaftlichen Fachschule im Kloster Fahr. 28 Frauen aus den Kantonen Aargau, Bern, Luzern, Obwalden, Schwyz, St. Gallen, Uri, Zug und Zürich, mit unterschiedlichsten Berufserfahrungen, absolvierten den zwanzigwöchigen Kurs neben drei Floristinnen war auch eine Hochbauzeichnerin und eine Landwirtin. An die Hundert Gäste, Angehörige, Freunde und Bekannte, sowie Vertreterinnen und Vertreter vom Gastkanton Zug, eine Delegation vom Departement BKS, Aargau, die Präsidentin vom Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband und Abt Martin Werlen, Abt der Klöster Einsiedeln und Fahr besuchten die von den Absolventinnen selbst gestaltete, originelle Abschlussfeier.
Guter Geist in der Klassengemeinschaft
Die Schulleiterin, Theres von Aarburg, wünschte den Frauen auf dem weiteren Weg viele bewusste Momente im «Sein». «Ihr habt dicht bepackte Wochen gehabt; täglich zehn Lektionen Unterricht in prüfungsrelevanten Fächern und dann am Abend stricken, filzen, Holz brennen oder Turnen.» Immer wieder hätten sich die Frauen entscheiden müssen «soll ich jetzt lernen oder mit auf den Spaziergang, Aufgaben machen oder in den Ausgang? Eine Stellenbewerbung schreiben oder das Zopfbrett fertig schnitzen?» Die freie Zeit sinnvoll zu nutzen, sei immer eine Herausforderung für die jungen Frauen gewesen. «Nach meinen Beobachtungen habt ihre eure Pläne gut in den Griff bekommen. Ohne planen geht es nicht, wenn man danach den Moment auskosten will und im Moment daheim sein will.» Theres von Aarburg lobte den guten Geist in der Klassen-Gemeinschaft: «Ich glaube, ihr habt viele lebenswerte Momente erlebt im Fahr. Und vergesst nicht: Das Leben passiert jetzt!»
Dank an den Kanton Zug
Die Priorin des Klosters Fahr, Irene Gassmann, ging in ihren Worten auf die Situation der Bäuerinnenschule als Privatschule ein und bedankte sich im Besonderen für die Unterstützung seitens des Kantons Zug: «Als private Schule sind wir auf die finanzielle Unterstützung durch die Kantone angewiesen. Das Kursgeld der Teilnehmerinnen deckt knapp die Hälfte der anfallenden Kosten. Damit wir als Kloster den Bildungsauftrag auch in Zukunft wahrnehmen können, sind wir auf Gelder der Herkunftskantone angewiesen.» Mit dem Kanton Zug bestünde seit 1994 eine erfolgreiche Zusammenarbeit. «Für dieses Engagement danke ich im Namen des Klosters und der Bäuerinnenschule den Behörden aus dem Kanton Zug. Ich freue mich, dass ich diesen Dank heute persönlich an Herrn Regierungsrat Matthias Michel, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements, weitergeben darf.» An die Absolventinnen gerichtet, meinte die Fahrer Priorin, «ich wünsche euch immer wieder die Aufmerksamkeit und Bereitschaft, die Möglichkeiten, die euch offenstehen zu sehen, auch oder gerade dann, wenn Pläne durchkreuzt werden.»
Gratulation zu Wahl von Ausbildung und Abschluss
Für den Zuger Volkswirtschaftsdirektor, Matthias Michel, war der Besuch im Kloster Fahr eine Première; er zeigte sich beeindruckt von der Bäuerinnenschule. «Die Gesamtheit von Leben, Lernen, Arbeiten, Freizeit und Werthaltung, die hinter allem steht, prägen das Kloster Fahr. Die Schule ist ein Vorbild für die gesamtheitliche Werterhaltung. Die bäuerliche Tätigkeit, die bäuerlichen Berufe, sind, wie kaum andere, von dieser Gesamtheitlichkeit gekennzeichnet, ja leben davon. Ein Hof ist Arbeits- und Freizeitort zugleich, Ort des Erwerbs aber auch der Erholung, der individuellen Arbeit und Hort der Familie. Diese Gesamtheitlichkeit ist der übrigen Gesellschaft weitgehend abhanden gekommen. Ihnen, geschätzte Bäuerinnen, passiert das nicht: Sie haben eine gesunde Grundhaltung und haben diese nun in Ihrem Kurs auch beruflich weiter angereichert mit Wissen und Fertigkeiten, die Sie in Ihrem Leben in allen Lebenssituationen unterstützen. Ich gratuliere Ihnen zur Wahl dieses Ausbildungsweges und zum erfolgreichen Abschluss.»
Offen sein für Öffentlichkeitsarbeit
Der Vorstand der Zuger Bäuerinnen war mit drei «Ehemaligen» der Fahrer Bäuerinnenschule angereist für die Präsidentin, Rita Schuler, war es ein «Heimkommen. Wir denken gerne an die Zeit zurück, als wir die die Schule hier im Fahr besuchten.» Sie ermunterte die jungen Bäuerinnen «füllt euren Rucksack weiter. Es hat noch viel Platz, sich weiter zu bilden und Neues zu lernen. Seid aber auch offen für die Öffentlichkeitsarbeit, denn auch diese ist sehr wichtig.»
Alltagskompetenzen lernen
Ein Grusswort an die Kursteilnehmerinnen richtete die eigens aus dem Waadtland angereiste Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes, (SBLV), Ruth Streit. Sie persönlich gehöre noch einer Generation an, in der Bäuerinnenschulen mit Internat verbunden gewesen sein. «Für mich war das eine intensive Zeit, die mich auch auf menschlich-sozialem Gebiet viel gebracht hat durch das Zusammenleben mit ganz verschiedenen Frauen. Ich finde es wichtig, dass es diese Möglichkeit heute noch gibt, obschon mir als Präsidentin des SBLV bewusst
ist, dass es wichtig war, auch berufsbegleitende Ausbildungsmöglichkeiten anzubieten.» Sie gratulierte den Fahrer Frauen zum Entscheid, eine solide und gründliche Ausbildung im bäuerlich-hauswirtschaftlichen Bereich zu absolvieren. «Viele Menschen meistern ihren Alltag heute nicht mehr. Das heisst, sie haben nicht mehr die nötigen Alltagskompetenzen in Sachen Ernährung, Nahrungszubereitung, Familienbudget. Den Frauen unter Ihnen, welche künftig als Bäuerin und Mitbewirtschafterin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb tätig sein werden, erlaubt die Ausbildung, gleichberechtigte Partnerinnen zu sein und bietet die Möglichkeit, in der Para-Landwirtschaft Betriebszweige aufzubauen.»
Der Höhepunkt der Feier war die Übergabe der Zertifikate an die achtundzwanzig Kursabsolventinnen durch Ruth Streit und Theres von Aarburg. 13 Module wurden geprüft von 246 Prüfungen wurden 243 erfolgreich abgeschlossen.
Sommermarkt als Novum
Eine originelle Modeschau mit Eigenkreationen bildete den Abschluss. Der diesjährige Frühlingskurs war überdies für ein Novum an der Abschlussfeier besorgt: Erstmals wurde ein Markt organisiert; An verschiedenen, sorgfältig aufgebauten Marktständen konnten die Gäste verschiedenste Eigenproduktionen aus dem Kurs, alle geschmackvoll gefüllt und verpackt, erwerben etwa spezielle Gewürze aller Art, Öle, Badezusätze aber auch Brote und Backwaren. Hoffentlich macht dieser Markt auch an kommenden Kursabschlüssen wieder Schule!
Grosse Ausbildungsnachfrage
Die Nachfrage nach der Ausbildung an der Bäuerinnenschule im Fahr ist ungebrochen. Der kommende Herbst- wie auch der Frühlingskurs 2011 sind mit je 28 Teilnehmerinnen ausgebucht; der Herbstkurs 2011/2012 ist bis auf wenige Plätze belegt.
Neben den zwölf Modulen der Ausbildung «Bäuerin Fachausweis» werden im Semesterfachkurs im Kloster Fahr, der eidgenössisch anerkannt und dem Bundesamt für Bildung und Technologie (BBT) angeschlossen ist, folgende Spezialitäten angeboten: Religion, Singen, Turnen, Flechten, Textiles Werken, Töpfern, Holzbearbeiten, Stricken.
Informationen und Anmeldungen: Bäuerinnenschule Kloster Fahr, 8109 Kloster Fahr, Tel. 043 455 10 30 oder www.kloster-fahr.ch oder schule@kloster-fahr.ch
Medienstelle Kloster Fahr:Susann Bosshard-Kälin, 8109 Kloster Fahr